Die verwandtschaftlichen Beziehungen der beiden ersten Echzeller Apotheker und das Apothekenprivileg von 1792

Am 29. Mai 1770 wird die Apotheke in Echzell gegründet. Begünstigter des Privilegs und damit erster Apotheker am Ort ist Johann Henrich (Heinrich) Leschhorn, der die Apotheke über 22 Jahre leitet. Seiner Frau Maria Christina Friederica und ihm sind keine Kinder vergönnt, und so beantragt er bei der landgräflichen Regierung in Darmstadt die Übertragung seiner Personalkonzession auf den Nachfolger Henrich (Heinrich) Rudolf Weber. Diesem Antrag wird stattgegeben. Nachfolger und somit zweiter Apotheker in Echzell wird Henrich (Heinrich) Rudolf Weber von der Kommende Schiffenberg. Ausdrücklich ist in dieser Urkunde vom 19. September 1792 seine Verlobte erwähnt als "jüngste Tochter des Pfarrers von Schweickhardshaußen". Überhaupt läßt die recht familiär anmutende Einleitung des genannten Privilegs den Eindruck entstehen, daß zwischen Leschhorn und Weber verwandtschaftliche Beziehungen bestehen müssen. Unmittelbar nach Übernahme der Apotheke heiratet Apotheker Weber seine Braut in Echzell am 13. September 1792. Dabei ist sie namentlich erwähnt als Charlotte, eheliche Tochter des Pfarrers Henrich Jacob Stockhausen in Schwickartshausen.

Die Suche im Trauregister Echzell ergab, daß auch Johann Henrich Leschhorn hier heiratet, nämlich am 6. September 1764. Seine Frau Maria Christina Friederica ist die Witwe des in Echzell am 29.9.1773 verstorbenen Kauf- und Handelsmanns David Friedrich Friedel. Endlich und glücklicherweise ist auch die Trauung Friedel in Echzell zu finden, die Licht in die Familienverhältnisse bringt: Traubuch Echzell Jahrgang 1758 "David Friedrich Friedel, Handelsmann allhier, und Jungfrau Maria Christina Friederica, Herrn Johann Henrich Stockhaußen, ersten Pfarrer zu Berstatt ehel. älteste Tochter sind d. 12. Januar ehelich copuliret worden".

Damit war zumindestens die Gleichheit der Mädchennamen der Gattinnen der Apotheker Leschhorn und Weber festgestellt. Nun begann die

weitere Forschung in den Kirchenbüchern der näheren Umgebung von Echzell: Ohne Schwierigkeiten läßt sich Pfarrer Jacob Heinrich Adam Stockhausen in Schwickartshausen bei Nidda nachweisen. Er tritt die dortige Pfarrstelle zu Weihnachten (Feiertag 3. Natus J. + C.) 1774 an.

In Schwickartshausen wird er auch nach 42 Amtsjahren als Pfarrer am 19. April 1795 an "auszehrender Krankheit" sterben. Sein Amtsantritt dort dokumentiert er selbst durch einen von Bitterkeit getragenen eigenhändigen Kirchenbucheintrag, in dem er schreibt, daß er zuvor 19 1/2 Jahre treuer und gehorsamer Diener in Roßdorf (bei Darmstadt) war. Seine Versetzung war offenbar nicht ganz in seinem Sinne, wie noch zu beweisen wäre.

In Schwickartshausen konfirmiert er selbst drei Töchter: im Jahr 1776 Maria Friederica Charlotta, 1784 Eleonora Dorothea und 1788 Wilhelmina Amalia. Nicht undenkbar ist, daß er ein sehr strenger Vater war, denn vor seinem Tod haben sich Eleonora Dorothea und Wilhelmina Amalia wegen unehelichen Beziehungen mit Folgen im Jahr 1796 vor Kirchenkonvent zu verantworten. Weitere Einzelheiten über ihn und seine Familie sind in den Schwickartshausener Kirchenbüchern nicht zu finden. Interessante Marken seines Lebensweges waren in Roßdorf bei Darmstadt zu vermuten und auch zu finden: Nach seinem Gießener Studium übernimmt er in Roßdorf zunächst 1755 die Stelle des Adjunkts seines 80jährigen Schwiegervaters NN. Hoffmann und wird nach dessen Tod 1762 Pfarrer. Seine erste Frau Maria Sophia Hoffmann stirbt bereits 1756, worauf er 1758 in Roßdorf Elisabeth Maria Korndörfer heiratet. Seine Stellung in der Gemeinde ist nicht ohne Spannungen: Nach dem Erwerb von Liegenschaften in der Gemarkung Roßdorf und später, im Jahr 1769, als er dort ein Wohnhaus errichtet, das später seine Erben übernehmen, beginnen Streitigkeiten mit der Gemeinde. Mißgunst und die Tatsache, daß er verbilligtes Holz aus Dieburger Flur erhält, sind der Anlaß. Die Auseinandersetzungen nehmen zu, so daß sein Gottesdienst immer spärlicher besucht wird. Schließlich zerschneiden "etliche Bösewichter", die bei Nacht und Nebel in den Pfarrhof eindringen, auch noch das Lederzeug seiner Kutsche in viele kleine Stücke. So wird er offenbar für die Gemeinde untragbar, nicht nur aus eigenem Verschulden, so daß er 1773 (oder 1774) die - geringer dotierte - Pfarrstelle in Schwickartshausen übertragen bekommt. Neben anderen Kindern werden ihm während seiner Roßdorfer Amtszeit dort die drei Töchter, die in Schwickartshausen konfirmiert werden, geboren. Von besonderem Interesse ist hier der Taufeintrag von Maria Friederica Charlotta vom 6. April 1763, denn hier ist als Pate genannt: "Maria Christina Friederica, des Kauf- und Handelsmanns Herrn Friedel zu Echzell, Eheliebste. Ist meine, des Vatters leibl. Schwester".

Das ist der Beweis, daß seine Tochter Maria Margaretha Charlotta zusammen mit ihrem Verlobten, dem Apotheker Henrich Rudolf Weber, im Jahre 1792 die Apotheke von der Tante und deren zweiten Mann, dem Apotheker Johann Henrich Leschhorn, übernimmt.

Stamm Stockhausen

I

Hermann

1537 Ratsfreund in Hersfeld, 1548 Bürger ebd.

 

* um 1485

+ Hersfeld 1568

 
 

oo um 1510 NN. Sohn: II

 

II

Johannes

1532 immatr. Marburg, 1537-1542 Schulmeister in Großenlinden und Gießen, 1542 - 1590 Pfarrer in Großenlinden, 1590 emeritiert

 

* Hersfeld 1517-1518

+ Großenlinden 26.1.1595, 83 Jahre

 

oo Nidderhoffer (Niederhöfer), Elchgen. 4 Söhne bekannt, darunter Tobias: III

 

III

Tobias

1551 immatr. Marburg, Kaplan, Diakon bei seinem Vater, 1572-1600 Pfarrer in Großenlinden

 

* Hersfeld 1544

+ Hörnsheim 1614

 

oo um 1570 Seip, Katharina. Sohn: IV

 

IV

David

1601 immatr. Marburg, 1604 Student in Gießen, 1612-1614 Schulmeister in Hochweisel, 1614-1622 Pfarrer in Iffezheim/Markgrafschaft Baden, 1622 von dort vertrieben, 1623 - 1625 Pfarrer in Hochweisel

 

Großenlinden um 1580

+ Hochweisel 15.9.1625 peste

 

oo um 1615 Dämon, Sophia. Sohn: V

 

V

Johann Daniel

1645-1690 Pfarrer, Oberpfarrer in Leihgestern, erscheint 1683 als Taufpate in Dauernheim bei der Taufe des Enkels, 1689 - 1690 ist sein Schwiegersohn Georg Heinrich Heel Adjunkt, der auch sein Nachfolger wird.

 

* Iffezheim 23.12.1619

+ Leihgestern 9.2.1690

 

oo Gießen 28.4.1645 Frank, Anna Clara. 18 (!) Kinder, darunter Johann Daniel: IV

 

VI

Johann Daniel

1664 immatr. Gießen, 1681 - 1721 Pfarrer (8. Pfarrer nach der Reformation) in Dauernheim, Taufpate als "pater prim." in Dauernheim 1722 beim Enkel

 

* Leihgestern 21.3.1652

+ zwischen 13.8.1722 und 20.9.1723

 

ooI Dauernheim 10.5.1682 Mollenbeck, Anna Elisabeth

 

ooII ebd. 10(?).10.1715, Rasar (Rase?), Maria Margaretha. 12 Kinder aus erster Ehe, darunter Johann Heinrich: VII

 

VII

Johann Heinrich

31.3.1713 immatr. Gießen, von ? bis 1718 oder 1719 Privatinformater (Privatlehrer), 1718 (oder 1719) -1723 Adjunkt, erster Lehrer, Vikar in Dauernheim, 1723 - 1732 Pfarrer in Bingenheim, 1732 - 1759 erster Pfarrer in Berstadt, "kämpft heftig gegen die Trunksucht seiner Schäflein", Taufpate Roßdorf 1756 beim Enkel

 

* Dauernheim 12.1.1696

+ Berstadt 11.2.1759

 

ooI um 1720 Busch, NN.

 

ooII Berstadt 25.6.1733 Göbel, Lucretia Louisa. 15 Kinder aus beiden Ehen, darunter Maria Christina Friederica: VIII 1 und Jacob Heinrich Adam: VIII 2

 

VIII 1

Maria Christina Friederica

älteste Tochter

 

* Bingenheim 5.3.1728

+ nicht Echzell nach 1792

 

ooI Echzell 12.1.1758 Friedel, David Friedrich

 

ooII ebd. 6.9.1764 Leschhorn, Johann Henrich, Apotheker ebd.

 

VIII 2

Jacob Heinrich Adam

8.1.1749 immatr. Gießen, weiterer Lebenslauf s.o.

 

* Bingenheim 6.3.1732

+ Schwickartshausen 19.4.1795

 

ooI Roßdorf 27.12.1755 Maria Sophia Hoffmann

 

ooII ebd. 13.8.1758 Elisabeth Maria Korndörfer, Kinder

   

* Roßdorf 31.10.1756 Johann Samuel

   

* ebd. 1.7.1759 Friedrich Daniel + Schwickartshausen 1761

   

* ebd. 22.9.1760 Georg Christian

   

* ebd. 18.8.1761 Johann Philipp Wilhelm

   

* ebd. 4.4.1763 Maria Friederica Charlotta

   

* ebd. 29.1.1765, Johanetta Margretha Louisa

   

* ebd. 24.4.1769 Eleonora Dorothea

   

* ebd. 10.7.1771 Maria Margaretha Charlotta, oo Echzell 13.9.1792, Henrich Rudolf Weber, Apotheker ebd.

   

* ebd. 19.7.1774 Wilhelmina Amalia

Die Ahnenliste des Apothekers Henrich Rudolf Weber ist bedauerlicherweise sehr kurz, nur seine Eltern und Geschwister sind bekannt. Seine Nachfahren bzw. die fremden Apotheker, die die Apotheke in Echzell bis heute (2007) innehaben, sind hingegen lückenlos dokumentiert (s.u.).

Henrich Rudolf Weber wird am 2.11.1762 in Schiffenberg als Sohn des Ehepaares Johannes und Magdalena Susanna Weber geboren. Der Vater ist Verwalter auf dem Schiffenberg (Deutschherrenorden). Er stirbt im Alter von 59 Jahren und 9 Monaten in Schiffenberg am 16.1.1772. Angeblich wird er 1712 in Mundolsheim bei Straßburg geboren. Seine Frau, Magdalena Susanna, ist eine Tochter des Pfarrers Johann Nicolaus Caspar in "Rhode bei Landau".

Dem Paar werden in Schiffenberg geboren:

* 27.1.1742 (?) Carl Alexander

* 13.8.1758 Johann Wilhelm

* um 1760 Henrich Rudolf

* 14.3.1765 Maria Philippine Catharina Henriette

* 13.3.1767 Sophia Friederica Sibylla

* 1.3.1768 Wilhelmina Friederica und

* 9.4.1769 Ernst.

 

 

Besser erforscht, aber noch keineswegs gänzlich ausgelotet ist die

Ahnenliste von Johann Henrich Leschhorn

Proband

(1)

Leschhorn

Johann Henrich

Apotheker in Echzell

 

* Villingen/Oberhessen 20.11.1733

+ nicht Echzell

 

oo Echzell 6.9.1764 Maria Christina Friederica Stockhausen

 

I Ahnengeneration (Eltern)

(2)

Leschhorn

Johann Gerhard

1738 Gerichtsschöppe, Ratsverwandter, 1780 abgedankter Gerichtsschöppe in Villingen

 

* um 1699

+ Villingen 13.2.1782, 83jährig

 

oo ebd. 13.4.1721

(3)

Weber

Anna Elisabeth

 

* um 1702

+ Villingen 22.12.1794, 92 Jahre, 9(?) Monate

 

II Ahnengeneration (Großeltern)

(4)

Leschhorn

Johann

Gerichtsschultheiß, Kirchensenior Villingen

 

* um 1658

+ Villingen 22.3.1730, 72 Jahre weniger 2 Wochen

 

oo ebd. 9.2.1682

(5)

Kali

Maria

(6)

Weber

Friedrich

herrschaftlicher Jäger in Villingen

 

* um 1669

+ Villingen 3.1.1739, 69 Jahre 3 Monate weniger 10 Tage

 

oo ebd. 3.8.1702

(7)

Leidner (Leitener)

Anna Maria

 

* um 1673

+ Villingen 11.5.1749, 76 Jahre weniger "etliche" Monate

 

III Ahnengeneration (Urgroßeltern)

(8)

Leschhorn

Johann Gebhard

 

* um 1619

+ Villingen 12...1681, 62jährig

 

ooI (vor Kirchenbuchbeginn)

(9)

NN.

Ursula

 

* um 1624

+ Villingen 9.9.1677, 53jährig

(10)

Kali

Georg

Nachbar in Villingen

 

* um 1620

+ Villingen 4.11.1663

 

oo (vor Kirchenbuchbeginn)

(11)

NN.

Catharina

 

* um 1639

+ Villingen 29.8.1690

(12)

Weber

Hans Albrecht

Hochjäger in Hungen, 1655 Jäger ebd.

 

* um 1630

+ vor 1702

 

oo Hungen 5.3.1661

(13)

NN.

"eines Müllers Tochter aus Nidda".

(14)

Leidner (Leitener)

Michael

Gerichtsschöppe, Kirchensenior in Villingen

 

* um 1639

+ Villingen 3.12.1722

 

oo ebd. 13.2.1663

(15)

Graf

Catharina

 

* 1640 - 1643

+ Villingen 9.8.1732, 89- bzw. 92jährig

 

IV Ahnengeneration (Ururgroßeltern)

(20)

Kali

Philipp

Gerichtsschöppe in Villingen

 

* um 1587

+ Villingen 29.5.1678, 91 Jahre weniger 3 Monate

(28)

Leidner (Leitener)

Henrich

 

* um 1606

+ Villingen 28.3.1683

 

oo um 1635

(29)

NN.

Elisabeth

 

* um 1606

+ Villingen 27.4.1686, 80jährig.

(30)

Graf

Hermann

 

* um 1610

+ Villingen, 4.5.1654

 

oo um 1640

(31)

NN.

Maria

 

* um 1610

+ Villingen 13.1.1665

Nachkommen des Heinrich Ludwig Weber und eine kurzgefaßte Apothekerfolge bis heute

Aus der Ehe des Apothekers Heinrich (Ludwig) Rudolph Weber (1761 - 1805) gehen fünf Kinder hervor; das erste, Johann Friedrich Hartwig Ludwig (1793 — 1869), übernimmt die Apotheke. Sein Sohn Carl Ludwig (1841 — 1899), zwölftes von 14 Kindern, wird Nachfolger des Vaters. Er muß - wie schon früher sein Vater – im Jahre 1870 den Nachweis seiner Abstammung von Heinrich (Ludwig) Rudolph Weber erbringen. Er ist laut Gewerbspatent des Großherzogtums Hessen von 1890 "Apotheker mit Gehülfen, Weinwirth ohne Speisewirthschaft, Branntweinzäpfer, Spezereikrämer, Spielkarten- und Farbwarenhändler im Kleinen". Dieses Konglomerat an Angeboten spricht dafür, daß die wirtschaftliche Lage der Apotheke zur damaligen Zeit wohl recht schwierig war.

Ludwig (Louis) Weber verpachtet die Apotheke zwei Jahre vor seinem Tode 1897 an den Apotheker Georg Roth auf fünf Jahre. Seine Witwe und Roth verlängern den Vertrag im Jahre 1901 auf weitere vier Jahre. Es folgt eine Verwaltung der Apotheke durch Hermann Waldeck aus Lauterbach im Jahre 1905 und im gleichen Jahr eine weitere Verpachtung an Karl Blank aus Obersorg. Zwei Jahre später, 1907, erleben wir einen weiteren Wechsel: Apotheker Fritz Schmidt aus Friedberg wird nicht nur Pächter der Apotheke, sondern im Jahr 1909 auch Ehemann der einzig überlebenden Tochter des Ludwig (Louis) Weber, Auguste Weber. Zwei Kinder entstammen dieser Ehe: Emmy und Fritz. Der Vater stirbt bereits 1917; seine Witwe heiratet 1920 den Apotheker Paul Ernst Matthias Aubertin aus Krefeld, der nun die Apotheke bis zu seinem Tode 1930 leitet. Ihm folgt zuerst als Verwalter, ab 1932 als Pächter Hans Dresen aus Sulz (Elsaß). Sein Nachfolger wird der Ehemann von Emmy geb. Schmidt, Jakob Kaderle aus Neusatz/ Ungarn, der 1967 stirbt. Eine einjährige Verwaltung durch Wolfgang Schauß aus Alsfeld folgt. Von 1968 bis 1973 ist Dieter Katterfeld Pächter und ab 1973 Detlef R. Papsdorf, zunächst ebenfalls Pächter, dann Eigentümer des Unternehmens. Seit Mitte 2002 befindet sich die Apotheke im Besitz von Apothekerin Gabriele Koch.

Im Jahre 1976 verläßt die Apotheke ihre angestammten Räume, um wenige Meter entfernt an der Hauptstraße ihre neues zeitgemäßes Domizil zu beziehen. Gleichzeitig erhält sie den Namen "Linden-Apotheke" (früher „Privilegierte Webersche Apotheke Echzell).

 

 Das Privileg der Apotheke Echzell aus dem Jahre 1792. Erhältlich HIER als pdf-Datei (528KB).

                                         

 

Transskription:

PRIVILEGIUM

für den Apothecker Henrich Ludwig Weber

zu

Echzel, Amts Bingenheim

de dato Darmstadt den 19 ten Septembr:

1792

Von GOTTES Gnaden WIR Ludwig X. Landgraf zu Hessen, Fürst zu Herßfeld, Graf zu Kazenelnbogen, Diez, Ziegenhain, Nidda, Hanau, Schaumburg, Isenburg und Büdingen fügen hiermit zu wissen, als bey Uns der Apothecker Henrich Ludwig    Weber   von der Kommende Schiffenberg unterthänigst vorgestellet, daß er nebst seiner Verlobten, des Pfarrers zu Schweickhardshaußen jüngsten Tochter, von dem kinderlosen Apothecker Johann Henrich Leschhorn und deßen Ehefrau zu Echzel per pactum successorium zum Universal-Erbe instituiret worden, und dieselbe ihm ihre Officin und Behaußung unter gewissen Conditionen erb- und eigenthümlich abtretten wollen, und er daher unterthänigst nachgesuchet, das von weyland Unseres in Gott ruhenden Herrn Vatters Gnaden besagten Leschhorn auf seine Apotheck ertheilte Privilegium mit allen Rechten auf ihn Weber in Gnaden zu transferiren, was gestalten Wir, eingezogener Erkundigung nach, sothanem Suchen gnädigst deferiret und ermeltes Privilegium auf besagten Henrich Ludwig Weber und dessen Erben transferiret haben, thun auch solches hiermit und in Kraft dieses also und dergestalten, daß er und seine Erben, beyobgedachtem Privilegio, welches von Wort zu Wort lautet, wie hiernach folget:

Von GOTTES Gnaden Wir Ludwig, Landgraf zu Hessen, Fürst zu Herßfeld, Graf zu Kazenelnbogen, Diez, Ziegenhain, Nidda, Hanau, Schaumburg, Isenburg und Büdingen pp. thun kund und bekennen hiermit für Uns, Unsere Erben und Nachkommen Fürsten zu Hessen, als Uns Johann Henrich Leschhorn von Echzel, Unsers Amts Bingenheim des mehrern zu vernehmen gegeben, wasmaßen er in gedachtem Echzel, denen Unterthanen gedachten Amts zum besten eine Apotheck aufzurichten gesinnet seye, und dahero unterthänigst gebeten, ihme darüber ein gnädigstes Privilegium zu ertheilen, welchergestaltenWir nach eingezogener Erkundigung auch befundenen Dingen und Umständen nach, demselben, hierinnen in Gnaden deferiret haben, thun das auch hiermit und Kraft dieses dergestalten und also, daß et Johann Henrich Leschhorn in Echzel, wie er unterthänigst gebeten, eine Apotheck aufzurichten möge und solche der Ordnung gemäß mit guten frischen zu ein- und ändern Curen dienlichen Medicamenten und Waaren genugsam versehen, und darinnen fort und fort also continuiren in allen Stücken aber Unserer Medicinal- und Apothecker Ordnung nachleben und dahin sehen solle, daß nie an denen erforderlichen Medicamenten ein Mangel erscheine, sondern seine Apotheck jederzeit mit den benöthigten wohlversehen seye, und solches dem Armen sowohl als dem Reichen beydes in der Gütigkeit und billig- leidentlich- zum wenigsten in Frankfurt von Meß zu Meß üblichen, oder etwa in verschiedenen Stücken von Uns hinkünftig noch einzuführenden Tax und Preiß gegeben und gefolget werden könne; Inmaßen wir die Visitation besagter Apotheck durch Unseren jeweiligen Physicum in Echzel, oder wen Wir sonsten noch weiter darzu zu deputiren vor gut befinden, von Zeit zu Zeit vornehmen laßen werden.

Behalten Uns auch expresse bevor, daferne er Leschhorn oder seine Erben und künftige Innhaber dieser Apotheck, wider beßere Hoffnung und Zuversicht dieser Unserer gnädigsten Concession und Vergünstigung, und was derselben anhangt, zu wider Handeln, und selbige, wie sichs gebühret, nicht observiren würden, daß auf solchen Fall sie sich derselben ohne einige Widerrede ipso jure verlustig gemacht haben, und nach darzu befundenen Dingen nach gebührend darum angesehen werden sollen. Wir befehlen demnach Unserer Fürstlichen Regierung zu Giesen, wie auch Medicis, jezig und künftigen Beamten, Dienern und Angehörigen zu Bingenheim und Echzel hiermit gnädigst   ihn Leschhorn, seine Erben und recht-mäsige Innhaber dieser Apotheck, beysothanem Unserem Privilegio, Vergünstig-und Begnadigung nachdrücklich zu Handhaben, und so lang sie sich Vorgeschriebenermaßen verhalten, dar'wider nicht beschweren zu lassen, mit dem weiteren Anhang, daß ersagte Apotheck erheischender Nothdurft nach alle Jahr ohnfehlbar visitiret = und da sich etwas zu alt, verlegen, b°'ß oder sonsten untüchtig befindet, dasselbe sobald ab- und hinweg = dagegen aber gute Waaren in Zeiten herbey geschaft = alles auf einen leidentlich billigen Preiß eingerichtet = und wann wider beßeres Versehen omittendo vel committendo hierwider gehandelt wurde, solches gehörig geahndet und bestrafet werde. Gleichwie Wir im Gegentheil auch gnädigst Verordnen und befehlen, daß Niemand in gedachtem Echzel, und Amt Bingenheim zum Nachtheil dieser von uns gnädigst privilegirten Apotheck dergleichen Medicamenta und Materialia, so sonsten allein denen Apotheckern feil zu haben gebühren als purgantia, alexipharmaca, olea destillata, Balsamadestillata, olea cocta, Krauter und Wurzeln, und was mehr in denen alten Statutis Medicis benähmet ist, und zu weiter nichts als zur Arzney und deren Composition allein, nicht aber in der Haushaltung gebraucht werden kann, feil zu haben oder heimlich zu verkaufen befugt seyn, sondern die Übertretter und wer darwider thut, jedesmalen durch Unseren Beamten ernstlich gestrafet = und die Waare noch darneben confisciret werden solle, welches Wir aber auf andere Materialia, Specereyen und Waaren, welche nicht eben zu denen Medicamentis sondern auch in der Haushaltung gebraucht werden können nicht extendiren sondern deren Verkauf wie bishero auch denen Krämern und wer darzu berechtiget ist, fernerhin verstatten wollen.

Urkundlich Unsers hierauf gedruckten Fürstlichen Geheimen Insiegels. Darmstadt, den 29- May 1770.

Ad speciale Mandatum Serinissimi.

Fürstl: Heßische Präsident, Canzlar und Geheime Räthe daselbst. Heße, - Miltenberg - Klipstein - Schulz.

so lang er und dieselbe sich demselben gemäß bezeigen, und die Apotheck in gutem Stand halten werden, gegen männiglichen geschützet und gehandhabet werden sollen. Urkundlich des hierauf gedruckten Fürstlichen Geheimen Insiegels. So geschehen Darmstadt, den 19- Sept: 1792

Ad speciale Mandatum Serinissimi.

Fürstl: Heßische Präsident, Canzlar und Geheime Räthe daselbst,

 

gez. Unterschriften

 

Siegel


Quellen:

Kirchenbücher Berstadt, Bingenheim, Dauernheim, Echzell, Hungen, Rhodt, Roßdorf bei Darmstadt, Schwickartshausen, Steinbach, Villingen/Oberhessen (vorwiegend eigene Forschung)

 

Literatur:

W. Diehl, Hassia Sacra l, II, X, Friedberg, Darmstadt 1921 ff.

1200 Jahre Echzell, S. 289ff., Echzell 1982

S. Lehmann, 1200 Jahre Dauernheim, Ein Dorf im Wandel, 1982

Privileg der Apotheke Echzell von 1792

C. Aledter, Das historische Berstadt von 852 - 1972, Wölfersheim 1980

Roßdorf, Beiträge zu seiner Geschichte, Ober-Ramstadt 1975

Familienbuch Steinbach

Familienbuch Leihgestern

Echzeller Geschichtshefte Band 3, S. 80ff., Echzell 1986 und Band 6, S. 21ff., ebd. 1989

Chronik der Familie Stockhausen

 


 

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